Wappen der Stadt Mülheim an der Ruhr (Lange Beschreibung auf einer Extra Seite)

Schriftgröße:
Kontrast:  a a a a a /
www.bsv-muelheim.de / 2: Aktuelles / 2.3: Archiv > Forderungen des Arbeitskreises der Führhundhalter des DBSV Zur Führhundausbildung
.

Forderungen des Arbeitskreises der Führhundhalter des DBSV Zur Führhundausbildung

Wissenswertes zum Film „Belohnen statt Strafen“

Seit dem 09.10.2014 läuft auf YouTube und auf der DBSV-Homepage ein vom DBSV erstellter Film über moderne Führhundausbildung mit dem Titel "Belohnen statt Bestrafen". An die Veröffentlichung des Films ist auch die Forderung an Krankenkassen geknüpft, konsequent nur noch Führhundversorgungen zu bewilligen, wenn sich die entsprechende Führhundschule vertraglich verpflichtet, modern und tiergerecht auszubilden.
Zusätzlich zur Veröffentlichung des Films wurden in den letzten Tagen Briefe an Krankenkassen, gesundheitspolitische, behindertenpolitische und tierschutzpolitische Sprecher der Bundestagsfraktionen, denen eine DVD beigefügt wurde, gesendet.

 

Dies sind die DBSV-Forderungen

 

Ein Blindenführhund ist nicht nur ein Hilfsmittel, sondern auch ein Tier, das es zu schützen gilt. Die ethische Verantwortung dem Tier gegenüber, das im Dienste des
Menschen steht, verpflichtet zur kritischen Überprüfung der Haltung sowie des Umgangs und Trainings. Das bedeutet, dass alte Ausbildungsmethoden, bei denen Gewalt eingesetzt wird, nicht toleriert werden können.

Daher fordert der Arbeitskreis der Führhundhalter im DBSV, dass ...

  1. das Training von Führhunden nach modernen, wissenschaftsbasierten Methoden erfolgt.
  2. das Training tierfreundlich auf der Grundlage von kleinen Lernschritten, positiver Belohnung und Erfolgserlebnissen gestaltet wird.
  3. die Hunde im Training gefordert, aber nicht überfordert werden.
  4. im Führhundtraining keine Stromimpulsgeräte verwendet werden.
  5. im Führhundtraining keine Stachelhalsbänder eingesetzt werden.
  6. im Führhundtraining auch auf andere körperliche Bestrafungen verzichtet wird.
  7. im Führhundtraining darauf verzichtet wird, Lernziele zu erreichen, indem der Hund erschreckt oder in Angst versetzt wird.

Zu diesen Forderungen kommen wir Führhundhalter, wenn man das folgende Hintergrundwissen beachtet.

 

Führhundausbildung – Hintergrundwissen

Man mag es kaum glauben, aber im Training von Blindenführhunden werden immer noch veraltete und grobe Trainingsmethoden angewendet. Führhundtrainer halten nach wie vor an traditionellen Lob-Strafe-Ausbildungsprinzipien fest. Schlagen, Schimpfen, Treten, Leinenrucke in unterschiedlichen Ausprägungen mit und ohne Stachelhalsbänder, ear-pinching (schmerzhaftes ins-Ohr-kneifen) sind immer noch alltäglich.

 

Warum ist das so?
Begründung für die oft heftigen „Einwirkungen" (so werden körperliche Strafen gern beschönigend genannt), ist häufig, dass ein Hund seinen Halter angeblich nur dann sicher und verlässlich vor Hindernissen/Gefahren schützt, wenn es ihn selbst schmerzt, sobald er Fehler macht.

 

Die Trainingsmethoden werden also dadurch legitimiert, dass man ein höheres Ziel, nämlich den Schutz des Menschen, verfolge.

Aber ist dem so?
Trifft es tatsächlich zu, dass Führhundhalter sicherer unterwegs sind, wenn der Hund für Fehler nachdrücklich bestraft wird?

Die Antwort heißt nein.

Zunächst scheint das Ausbildungssystem verlockend: Der Hund macht eine negative Erfahrung, wenn er zum Beispiel zu dicht an einem Hindernis entlang geht. Die Bestrafung löst Meideverhalten aus. Das Ergebnis ist ein Hund, der aus eigenem Interesse Hindernisse großräumig umgeht. Aber, und das ist ein häufiges Problem, viele Hunde wählen im Zweifelsfall sehr große Umwege oder zum Beispiel eine Umgehung auf der Fahrbahn, obwohl ein enger, aber möglicher Durchgang vorhanden ist. Das erschwert den Führhundhaltern häufig die Orientierung oder ist sogar gefährlich.

 

Was aber gebraucht wird, sind Hunde, die sehr präzise abschätzen können, was geht und was nicht mehr geht. Solche anspruchsvollen Unterscheidungsaufgaben lösen an sich schon bei Hunden Stress aus. Kommt jedoch die Angst dazu, für falsche Entscheidungen hart bestraft zu werden, wächst der Stress noch mehr. Unter Stress arbeiten die Teile des Gehirns nicht mehr effektiv, die für Unterscheidungsaufgaben gebraucht werden.

 

Ergebnis: Gestresste Führhunde wollen einfach nur noch weg! Aber für Mobilität im komplexen Verkehr von heute braucht es Führhunde, die schwierige Verkehrssituationen als Herausforderung und nicht als Gefahr sehen.
In der Erziehung von Freizeit- und Familienbegleithunden, in den modernen Hundesportarten und im Diensthundewesen von Zoll und Polizei sind die Ansätze des modernen Hundetrainings bereits fest verankert. Führhunde gelten in der Öffentlichkeit als faszinierende Wesen, die aufgrund ihrer Leistung und ihrer Verantwortung besonders gute Behandlung verdient haben. Tierschützer und Hundeliebhaber sind unangenehm berührt bis entsetzt, wenn sie beobachten, wie mit einem Führhund umgegangen wird, der einen Fehler macht, und wie die Hunde mit hängenden oder sogar geklemmten Ruten, angelegten Ohren, hechelnd und mit hektischem Blick versuchen, einen Ausweg zu finden und ihre Trainer zu beschwichtigen.

(Quelle: Homepage des DBSV)

 

Powered by Papoo 2016
147064 Besucher